“An einem Samstag” – Film zur Reaktorkatastrophe in Tschernobyl
Samstag, 26. April 1986: Im Atomkraftwerk Tschernobyl ist ein Reaktorblock explodiert. Die Parteileitung wiegelt ab. Aber Valerij Kabysh, früher Schlagzeuger, inzwischen junger loyaler Parteifunktionär, beobachtet die Panik der Verantwortlichen und begreift, dass jede Sekunde zählt. Dies ist die Geschichte seiner missglückten Flucht. Zusammen mit seiner Geliebten und seinen Musikerfreunden versucht Valerij die Stadt zu verlassen. Aber das Leben lässt ihn nicht los. Es ist Samstag, die Menschen gehen spazieren, machen Einkäufe, feiern Hochzeiten; Kinder spielen im Freien. In diesem sorglosen Trubel bleibt jeder Versuch zu entkommen ohne Erfolg. Die Katastrophe spielt eine allgegenwärtige, aber unsichtbare Rolle in dieser Geschichte. Als wären da Handschellen, die nicht zu öffnen sind. Ein verlorener Pass, ein gebrochener Schuhabsatz, ein verpasster Zug. Eine Hochzeit, auf der zu Ende gespielt werden muss. Der Film liefert keine politische Auseinandersetzung mit der Reaktorkatastrophe, sondern beobachtet das Leben der Bewohner in unmittelbarer Umgebung. Sie begreifen erst nicht, was passiert ist, sondern erleben Anfang April 1986 einen ziemlich gewöhnlichen Samstag.
Mit dem Fokus auf das Innere und die Gefühle der Protagonisten im Augenblick der Apokalypse erzählt der russische Regisseur Alexander Mindadze ein ergreifendes Drama, das sich zu einem tragikomischen Tanz auf dem Vulkan entwickelt. Er wirft einen beklemmenden Blick auf menschliches Handeln angesichts einer unsichtbaren Gefahr. “An einem Samstag” sollte an das Atomunglück in der Ukraine vor 25 Jahren erinnern. Doch jetzt bekommt der Spielfilm über die Tschernobyl-Katastrophe vor dem Hintergrund der Ereignisse in Japan eine drängende Aktualität. “Der 25. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und der fahrlässige Umgang mit der Wahrheit waren der Anlass für unseren Film. Wir konnten nicht ahnen, dass er durch die Ereignisse in Fukushima eine erschreckende Aktualität erhalten würde.”, so die Produzenten Dr. Matthias Esche und Philipp Kreuzer über ihren Film — zu sehen ab 21.4. im C1 Cinema hier in Braunschweig.


